Frankfurter Industriegeschichte lebendig halten: Alte Schleifmittelmaschine ist zurück in der NAXOS-Halle
Nach Jahrzehnten steht die historische Innenschleifmaschine der NAXOS-UNION wieder in der Naxoshalle in Frankfurt – bereit, ihre Geschichte zu erzählen und an das einstige Unternehmen der Familie Pfungst zu erinnern. Was die Rückkehr des tonnenschweren Originals für das heute in der ehemaligen Maschinenhalle ansässige Produktionshaus NAXOS bedeutet, das erzählt Technischer Leiter Nils Wildegans.

Nach Jahrzehnten steht die historische Innenschleifmaschine der NAXOS-UNION wieder in der Naxoshalle in Frankfurt – bereit, ihre Geschichte zu erzählen und an das einstige Unternehmen der Familie Pfungst zu erinnern. Was die Rückkehr des tonnenschweren Originals für das heute in der ehemaligen Maschinenhalle ansässige Produktionshaus NAXOS bedeutet, das erzählt Technischer Leiter Nils Wildegans.
Interview
Mit Nils Wildegans
Was ging Ihnen durch den Kopf, als die Schleifmaschine im Januar in die Frankfurter Naxoshalle zurückkehrte?
Der schönste Moment war, als der LKW geparkt hatte und die Plane der Ladefläche aufgezogen wurde. Die Maschine wirkte fast ein wenig verloren auf der riesigen Ladefläche des LKW, der sehr früh am Morgen in Freital (Sachsen) aufgebrochen war. Als die Maschine ins Foyer gebracht war, wirkte sie an ihrem neuen Platz als hätte sie dort schon immer gestanden. Sogar die grüne Lackierung der Maschine und die grüne Lackierung der Stahlträger der Halle sind identisch und man könnte vermuten, dass sie vor beinahe einem Jahrhundert aus dem gleichen Farbtopf getrichen wurden. Ich fragte mich, wie die Maschine wohl damals das Frankfurter Werk verlassen hat –vermutlich mit LKW und Güterzug ab dem Ostbahnhof –, welche Menschen die Maschine hergestellt haben, was damit gefertigt wurde und wer sie gekauft hat. Ich hoffe dass sich auch unsere Besucher*innen diese oder ähnliche Fragen stellen werden.
Sie haben die Maschine vor der Verschrottung bewahrt. Wie sind Sie an die alte Schleifmaschine gekommen?
Im Oktober des vergangenen Jahres schrieb uns die Firma Mechanische Werkstätten Suschke aus Freital im Osterzgebirge eine Email. Nachdem die Maschine für einen speziellen Auftrag vor vielen Jahren gebraucht gekauft worden war, sollte sie nun Platz für andere Maschinen machen. Leider fand sich kein Käufer und die letzte Möglichkeit wäre die Verschrottung gewesen. Glücklicherweise recherchierten die Besitzer die Herkunft der Maschine und fanden das Produktionshaus NAXOS. Der Transport und die Aufstellung der Maschine waren mit einigen Herausforderungen verbunden, die Sie souverän gemeistert haben.
Worin bestand die größte Herausforderung?
Erst nach und nach bekam ich alle Infos zur Maschine, auch die Maße und das Gewicht. Niemand wusste genau, wieviel die Maschine wiegt, bevor sie in Freital von ihrem angestammten Platz mittels Kran gehoben und dann gewogen wurde. Dass es über drei Tonnen sind, war eigentlich das größte Problem, deshalb wurde der Transport und die Aufstellung erheblich teurer als zunächst angenommen. Deshalb musste zuerst ein Spendenaufruf gestartet werden, um überhaupt die Zusage an die Firma Suschke geben zu können. Aus unserem knappen Budget hätten wir die Aufstellung der Maschine nicht finanzieren können. Über die großartige Resonanz zu unserem Spendenaufruf, die Verbreitung durch die Presse und die Unterstützung der KulturRegion FrankfurtRheinMain sowie der Dr. Arthur Pfungst-Stiftung und vieler anderer haben wir uns sehr gefreut.
»Die Maschine trägt, wie das Haus selbst, die Spuren der Arbeit von fast einem ganzen Jahrhundert.«
Welche Bedeutung hat die Rückkehr der alten Schleifmaschine für das Produktionshaus NAXOS und für die Erinnerung an die industrielle Geschichte der NAXOS-UNION?

Wir sehen uns in unserer kulturellen Arbeit verpflichtet, auch die Geschichte des Ortes und der Firma NAXOS-UNION selbst sichtbar zu machen. Die Schleifmaschine an ihrem neuen prominenten Standort im Foyer ist weniger industrieromantische Dekoration, sondern vielmehr ein authentisches Relikt der industriellen Vergangenheit des Ortes, das exemplarisch das Produktportfolio der NAXOS-UNION veranschaulicht.
Warum ist es Ihnen wichtig, industrielle Vergangenheit sichtbar zu erhalten?
Neben der wiederkehrenden inhaltlichen Beschäftigung mit der Vergangenheit der Naxoshalle als Thema künstlerischer Arbeit, ist die niedrigschwellige Erfahrbarmachung der industriellen Geschichte für alle Menschen ein wichtiges Anliegen. Wir verstehen uns als offenes Haus für Kultur, aber auch als Gedenk und Lernort, der Räume für politische und künstlerische Bildung bietet. Die Maschine trägt, wie das Haus selbst, die Spuren der Arbeit von fast einem ganzen Jahrhundert. Es sind solche Orte und Maschinen, z.B. der große Hallenkran, der Keller, der stillgelegte Lastenaufzug oder auch die Schleifmaschine, die als Anknüpfungspunkte für eine Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Geschichte einen guten Einstieg ermöglichen.
Welche Reaktionen haben Sie bisher von der Öffentlichkeit bzw. von Besucherinnen und Besuchern erhalten?
Stammbesucher*innen bemerken sofort die Veränderung im Foyer, aber auch andere Gäste fragen häufig, wie wir zu der Maschine gekommen sind oder ob sie schon immer an ihrem Platz steht. Eine provisorische Texttafel erklärt knapp die technischen Daten und die Geschichte der Maschine.
Wie planen Sie die Schleifmaschine künftig in das Produktionshaus NAXOS und seine kulturellen Aktivitäten einzubeziehen?
Zurzeit arbeiten wir an einer passenden technischen Beschreibung, die erklärt wie die Maschine funktioniert und für welche Arbeiten sie genutzt wurde. Eine Tafel mit Reproduktionen von Katalog-Abbildungen der „WJ2“ und Erläuterungen in deutsch,
englisch und leichter Sprache wird an der Maschine angebracht werden. Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass die Maschine im Rahmen von Theater, Tanz oder Performance einbezogen werden wird. Dazu bietet vielleicht schon im kommenden Herbst die Produktion „ARTHUR & MARIE. Die Erfindung der Industriellen Evolution“ des Theater Willy Praml eine Möglichkeit. Dieses Theaterstück als Gelände-Begehung des Naxos-Areals beschäftigt sich mit dem Geschwisterpaar Pfungst auf dem Weg ihres Unternehmens in die Moderne und mit einer Weltfirma, die ihren Gewinn durch eine Stiftung der Volksbildung widmet.
Workshop: Überzeugend argumentieren & souverän auftreten
Im Workshop mit Rhetoriktrainerin Laura Fonzetti lernten Stipendiaten, Argumente klar aufzubauen, sicher mit Einwänden umzugehen und Gespräche souverän zu gestalten. Im Fokus standen dabei vor allem aktives Zuhören, Perspektivwechsel und die Wirkung der eigenen Kommunikation. Wie man seine Argumentationsfähigkeit stärkt und nachhaltig davon profitiert, das verrät uns Trainerin Laura Fonzetti im Interview.

Interview
Mit Laura Fonzetti
Welche spezifischen Herausforderungen begegnen Studierende oder Berufseinsteiger*innen häufig, wenn es um Argumentation und überzeugende Kommunikation geht?
Viele Studierende und Berufseinsteiger*innen denken zunächst: Wer starke Gründe für die eigene Position hervorbringt, kann besonders gut argumentieren. In Gesprächen zeigt sich jedoch schnell, dass überzeugende Argumentation weniger mit Recht haben zu tun hat als mit Verständigung. Eine Herausforderung ist daher, die Perspektive des Gegenübers wirklich mitzudenken. Wenn wir nur unsere eigene Sicht erklären, ohne darauf zu achten, was für die andere Person wichtig ist, stoßen selbst gute Argumente schnell auf Widerstand. Gleichzeitig erlebe ich in Trainings oft, dass viele Studierende zwar eine klare Meinung haben, sie aber im Gespräch nicht immer ruhig und nachvollziehbar formulieren oder vertreten. Gerade in Seminardiskussionen, Gruppenarbeiten oder beim Zusammenleben in einer Wohngemeinschaft kann dann schnell Unsicherheit entstehen: Wie gehe ich damit um, wenn verschiedene Meinungen aufeinandertreffen? Wann und wie widerspreche ich? Wie bleibe ich dabei respektvoll? Hinzu kommt, dass Gespräche nie rein sachlich verlaufen. Emotionen, Erwartungen oder persönliche Erfahrungen spielen immer mit hinein. Deshalb ist Argumentation nicht nur eine Frage von Logik, sondern vor allem eine kommunikative Fähigkeit.
Worauf sollten Studierende oder junge Berufstätige besonders achten, wenn sie überzeugend, selbstsicher und authentisch argumentieren möchten?
Argumentation ist kein Monolog, sondern ein Dialog. Überzeugung entsteht selten dadurch, dass jemand besonders viele Argumente vorträgt, sondern vielmehr dadurch, dass das Gegenüber sich wahrgenommen und verstanden fühlt. Hilfreich ist eine einfache Struktur: zuerst den eigenen Standpunkt klar formulieren, anschließend begründen, warum man zu dieser Einschätzung kommt und schließlich ein Beispiel oder eine konkrete Anwendung nennen. Dadurch wird das eigene Argument für andere nachvollziehbar. Gleichzeitig sollte man sich immer fragen: Was könnte für mein Gegenüber wichtig sein? Ein Argument wirkt oft dann besonders überzeugend, wenn deutlich wird, welchen Nutzen oder welche Bedeutung ein Vorschlag für die andere Person haben könnte. Ebenso wichtig ist es, nicht nur auf das Was, sondern auch auf das Wie zu achten. Damit ein Argument auf das Gegenüber überzeugend, selbstsicher und authentisch wirkt, sollten Körpersprache, Stimme und Inhalt möglichst im Einklang sein.

Laura Fonzetti | Trainerin für Rhetorik, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung
»Überzeugende Argumentation hat weniger mit Recht haben zu tun als mit Verständigung.«
Welche Strategien können helfen, wenn man auf ein Gegenargument stößt, das emotional statt rational vorgebracht wird?
Wenn ein Gegenargument emotional formuliert wird, bringt es meist wenig, sofort mit weiteren sachlichen Argumenten zu reagieren. Häufig steckt hinter einer emotionalen Reaktion ein Anliegen oder eine Sorge, die zunächst wahrgenommen werden möchte. Hilfreich ist es, zuerst zu zeigen, dass man den Einwand gehört hat – zum Beispiel durch Paraphrasieren oder Nachfragen. Das schafft oft schon eine andere Gesprächsatmosphäre. Erst danach lohnt es sich, die eigene Perspektive wieder einzubringen oder das Gespräch zurück auf die Sachebene zu lenken. Gerade bei emotionalen Gegenargumenten geht es also weniger darum, diese direkt zu widerlegen, sondern darum, das Gespräch konstruktiv weiterzuführen.
Wenn man regelmäßig an der eigenen Argumentationsfähigkeit arbeiten möchte, welche Übungen oder Reflexionsmethoden empfehlen Sie?
Eine einfache und sehr wirksame Methode ist die kurze Reflexion nach Diskussionen. Man kann sich zum Beispiel fragen: Was war mein Standpunkt? Welche Gründe habe ich genannt? Habe ich auch berücksichtigt, was für mein Gegenüber wichtig sein könnte? Auch Perspektivwechsel sind eine gute Übung. Man kann sich bewusst überlegen, welche Argumente jemand vertreten würde, der eine andere Meinung hat. Das hilft dabei, unterschiedliche Sichtweisen besser zu verstehen und die eigenen Argumente klarer zu formulieren. Und schließlich gilt: Argumentationsfähigkeit entwickelt sich vor allem durch Übung im Gespräch. Seminardiskussionen, Gruppenarbeiten oder Projektbesprechungen sind gute Gelegenheiten, das eigene Argumentieren bewusst auszuprobieren.
Wie können Workshopteilnehmende langfristig profitieren – z. B. im Studium, bei Praktika oder in Bewerbungssituationen?
Argumentationsfähigkeit ist eine Schlüsselkompetenz, die in vielen Situationen eine Rolle spielt. Im Studium hilft sie beispielsweise dabei, eigene Gedanken in Seminardiskussionen einzubringen oder in Gruppenarbeiten konstruktiv zu Lösungen beizutragen. Auch im Berufsleben wird diese Fähigkeit schnell wichtig. Etwa wenn Ideen vorgestellt, Entscheidungen begründet oder unterschiedliche Perspektiven miteinander abgestimmt werden müssen. Im Workshop geht es deshalb nicht nur darum, besser zu argumentieren, sondern Gespräche bewusster zu führen: zuzuhören, Argumente klar zu strukturieren und mit Einwänden konstruktiv umzugehen. Von diesen Kompetenzen können die Teilnehmenden im Studium, im Berufsleben und auch allgemein im Alltag profitieren.
Entwickleralltag in einem Tech-Konzern: Praktikum bei SAP in Singapur
Für mehrere Monate tauschte Stipendiat Anton Kaiser Deutschland gegen Singapur. In seinem Bericht erzählt er von der Arbeit in einem globalen Entwicklerteam, seinen Erfahrungen in Südostasien und gibt Einblicke in den KI-Prototypen, an dem er während seines Praktikums mitgearbeitet hat.

Erfahrungsbericht
von Anton Kaiser
Wenn man an Singapur denkt, hat man oft das Bild einer futuristischen Metropole mit blitzblanken Straßen und beeindruckenden Wolkenkratzern im Kopf. Die Stadt hat den Ruf, eine „Fine City“ mit strengen Regeln zu sein. Ein berüchtigtes Beispiel dafür ist das Kaugummi-Verbot: Wer einen Kaugummi auf die Straße spuckt, riskiert schnell eine Strafe von 1.000 SGD (knapp 700 Euro). Genau auf diese Stadt voller spannender Widersprüche ließ ich mich ein, als ich im September 2025 meinen Campus am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam gegen Südostasien eintauschte, um ein Praktikum bei SAP zu absolvieren. Dass Singapur ein teures Pflaster ist, bewahrheitete sich spätestens bei der Wohnungssuche. Ich landete in einem winzigen Abstellraum ohne Fenster innerhalb einer 5er-WG – für stolze 1.250 SGD (knapp 850 Euro) im Monat. Mit einem Bett, einem kleinen Tisch und einem Hängeschrank war der Platz auf fünf Quadratmetern maximal ausgenutzt. Auch das Thema Lärmschutz wird dort etwas lockerer gesehen. Bauarbeiten begannen pünktlich um 8 Uhr morgens, auch samstags. Wenn nachts dann noch die Nachbarn direkt hinter meiner schlecht gedämmten Tür die Waschmaschine anwarfen, hatte selbst ich als absoluter Tiefschläfer anfangs einige Probleme, zur Ruhe zu kommen. Doch diese kleinen Hürden gehören zum Abenteuer dazu und wurden durch die übrigen Erfahrungen mehr als wettgemacht.

Anton Kaiser | Stipendiat, IT-Systems Engineering (Master), Universität Potsdam
»Singapur ist ideal, um internationale
IT-Erfahrungen zu sammeln und über
sich hinaus zu wachsen.«
Am 15. September 2025 hat mein Praktikum bei SAP offiziell begonnen. Der Einstieg erfolgte klassisch mit einem IT-Onboarding und Compliance-Schulungen. Mein Team arbeitet an einem Produkt namens „Document AI“, das die Verarbeitung von Geschäftsdokumenten mithilfe von KI automatisiert. Sobald ein Dokument hochgeladen wird, extrahiert es automatisch jegliche gewünschten Informationen, beispielsweise Rechnungsnummern oder Kundenadressen. Mein Team saß zwar komplett in Singapur, das Produkt wird jedoch international an weiteren Standorten wie Deutschland und Indien entwickelt. In einem riesigen Tech-Konzern stellt die Dokumentation oft eine besondere Herausforderung dar. Gerade in älteren Projekten waren die Anleitungen in den README-Dateien häufig lückenhaft oder veraltet. Die relevanten Informationen existierten zwar meistens, aber man musste erst einmal die richtige Person finden, die die entscheidenden Schritte kannte, um ein Projekt zum Laufen zu bringen. Die eigentliche Hürde bestand darin, in der Anfangsphase den Mut aufzubringen, die richtigen Fragen an die richtigen Leute zu stellen, während man sich selbst noch komplett orientieren musste. Nach gut drei Monaten im Praktikum platzte schließlich der Knoten. Ich hatte mich mit den Themen und meinem Team vollends angefreundet und war fest in den Entwickleralltag integriert. Fortan bearbeitete ich reguläre Tickets im Backend mit Python und Java – vom Schreiben von Performance-Tests bis hin zu kleineren Features. Besonders spannend war das neue „CustomLLM“-Feature. Es ermöglicht Kund:innen, flexibel eigene KI-Modelle und Prompts zu wählen, statt auf SAP-Standards angewiesen zu sein. Hier durfte ich einen Entwurf für ein technisches Detail erarbeiten und die Argumentation in einem „Architecture Decision Record“ (ADR) festhalten, sodass die Entscheidung auch in Zukunft nachvollziehbar bleibt. Der Stolz war riesig, als dieser Prototyp im November unserem CTO Philipp Herzig erfolgreich vorgestellt wurde! Im Januar ging es nahtlos weiter: Für einen Consultant testete ich diesen Prototypen für die komplexen Dokumente eines Eisenbahnunternehmens, das für seine Pünktlichkeit bekannt ist, als Vorbereitung für einen Hackathon Ende März. Trotz dieser Meilensteine blieb genug Raum für die Work-Life-Balance. Ich nutzte fast jedes Sportangebot von SAP: Bouldern, Badminton und zum ersten Mal auch Tennis, Dragonboat und Pickleball, wobei ich bei Pickleball sogar an einem Corporate Turnier teilnehmen durfte.
Die größte Ausnahme bei den Lebenshaltungskosten in Singapur sind die lokalen Hawker Center, also Essensstände, die sich meist auf ein oder wenige Gerichte spezialisieren und diese sehr günstig anbieten. Dadurch musste ich nie kochen und konnte mich durch das riesige Angebot probieren: japanisches Tonkatsu bei „Maruhachi“, Cai Fun (Mixed Veg Rice, eine Asia-Buffet-ähnliche Auslage von vorbereiteten Gerichten, bei der man sich immer wieder etwas anderes zusammenstellen kann) oder das unschlagbare Thai-Mittagsmenü um die Ecke. Am Wochenende zog es meinen HPI-Kommilitonen und mich oft ins „Fortune Center“, eine Mall, die ein wahres Paradies für Vegetarier ist – in Singapur eine Seltenheit, da Gemüse oft nur als winzige Dekoration existiert und sehr viel Fleisch gegessen wird.

Die Reisen in die Region waren besonders bereichernd. In Taiwan besuchte ich Freunde, die ihr Auslandssemester dort verbrachten, und erkundete Taipeh sowie die malerischen Orte Houtong und Jiufen. In der Guangzhou-Region faszinierte mich vor allem Shenzhen als beeindruckende Technikmetropole. Ein kulturelles Highlight war der Besuch des Ancestral Temples in Foshan, wo ich den traditionellen Lion Dance sehen konnte, der klassischerweise zum chinesischen Neujahrsfest aufgeführt wird.
Anfang März habe ich mein Praktikum erfolgreich abgeschlossen. Ich nehme weit mehr mit als nur tiefe Einblicke in die Softwarearchitektur. Ich habe gelernt, mich in fremden Kulturen durch schwierige Situationen zu beißen, neue Orte und Sitten kennenzulernen und jederzeit mutig Fragen zu stellen. Meine Koffer sind gepackt, denn ab April werde ich für ein Jahr in Japan studieren. Ich freue mich auf die nächsten Herausforderungen.
Kollektives Engagement in Äthiopien: Einblicke in das Projekt „Peace Lab Ethiopia“
Stipendiatin Sandra Kebede nimmt uns mit nach Äthiopien. Nach ihrem Auslandssemester in Addis Abeba initiierte sie gemeinsam mit einer Freundin das internationale Friedensprojekt „Peace Lab Ethiopia“. Sie berichtet von der Idee, der Umsetzung, den Zielen und Herausforderungen – und wie das Projekt weiterwirkt.

Erfahrungsbericht
von Sandra Kebede
Am Abend meiner Masterwahl rief ich meine beste Freundin und Psychologiestudentin Eliana an und sagte ihr, dass wenn ich mich für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt entscheide, ich mich auch dafür entscheide, mit ihr gemeinsam ein internationales Projekt mit Friedensbezug zu organisieren. Ohne zu wissen, wie so etwas möglich werden könnte, versprachen wir einander, ein Projekt zu initiieren. Im Dezember 2024 stießen wir auf die Ausschreibung des Projects for Peace des Middlebury College, das internationale Friedensprojekte unterstützt. Mit der Idee, nach meinem Auslandssemester in Äthiopien – im Land unserer Eltern – gemeinsam mit anderen diasporischen Studierenden eine Summer School für Oberstufenschülerinnen zu Friedensthemen aufzubauen, erhielten wir im Februar 2025 den Grant. Von da an hatten wir sechs Monate Zeit, um das Peace Lab Ethiopia Wirklichkeit werden zu lassen.
Das Projekt widmete sich den zentralen Herausforderungen junger Menschen in Äthiopien – begrenztem Zugang zu Bildung und sozialer Ungleichheit. Ziel war es, Jugendlichen praktische Kompetenzen zu vermitteln, um selbst zu aktiven Gestalterinnen von Frieden und Entwicklung zu werden. Dafür nahmen sechzehn Schülerinnen des staatlichen Mädcheninternats Menen Secondary School an einem siebentägigen Workshop teil, der friedensrelevante Themen praxisnah aufgriff.
Das Peace Lab wurde gemeinsam mit dem Institute for Peace and Security Studies (IPSS) der Addis Ababa University umgesetzt. Die Workshop-Woche begann mit einem Bonding Day, der das Gruppengefühl stärkte und Themen spielerisch einführte. In den folgenden Tagen standen Landwirtschaft, digitale Kompetenzen, Klimawandel, Geschlechtergerechtigkeit und Advocacy auf dem Programm, bevor die Woche mit einer öffentlichen Präsentation endete. Die Tage verbanden theoretische Grundlagen mit praktischen Übungen, Exkursionen und Mentoring. Besonders wichtig war, dass die Speakerinnen als Vorbilder und Wegbereiter präsent sind. Durch diesen erfahrungsbasierten Ansatz konnten die Schülerinnen das Gelernte direkt anwenden und ihre Perspektiven erweitern.

Sandra Kebede | Stipendiatin, Friedens- und Konfliktforschung (Master), Universität Frankfurt am Main
»Für die Projektbeteiligten veränderte
„Peace Lab Ethiopia“ den Blick auf Frieden
und Zusammenarbeit grundlegend.«
Addis Abeba als Projektort war bewusst gewählt. Die Hauptstadt vereint Vielfalt und Dynamik, steht aber auch vor sozialen und strukturellen Ungleichheiten, die durch politische Spannungen verstärkt werden. Lokale Kooperationen v.a. mit dem IPSS sowie auch dem Ethiopian Science Museum und Entoto Park ermöglichten praxisnahes Lernen, während Beiträge von Vertreter*innen der Afrikanischen Union und lokaler Techunternehmen den Realitätsbezug stärkten. Trotz kleiner Anpassungen im Ablauf verlief das Projekt weitgehend planmäßig. Das Peace Lab hat den Grundstein für eine nachhaltige Fortführung gelegt: Das IPSS plant, das Programm regelmäßig mit neuen Studierendengenerationen fortzusetzen und damit eine dauerhafte Plattform für Austausch und Friedensbildung zu schaffen. Das entstandene Netzwerk zwischen Schule, Hochschule und Praktikern stärkt perspektivisch die Stimme junger Frauen in Äthiopien.
Im Zentrum des Projekts und der Arbeit daran stand ein aktives Verständnis von Frieden – nicht als die Abwesenheit von Konflikten, sondern als gelebte Gerechtigkeit, Teilhabe und Verantwortung. Frieden zeigte sich in der gemeinschaftlichen Betrachtung von Lösungsansätzen. Kurzfristig führte das Projekt zu sichtbaren Erfolgen: Die Schülerinnen gewannen Selbstvertrauen, übernahmen Führungsrollen und entwickelten eigene Initiativen. Langfristig entstehen Strukturen wie ein Umweltclub an der Partnerschule und ein Lehrformat am IPSS, das Friedensbildung verankert.

Natürlich blieb die Umsetzung nicht ohne Herausforderungen. Unterschiede in Arbeitsstilen, Erwartungen und Kommunikationsformen zwischen dem überwiegend in Deutschland sozialisierten Team und den äthiopischen Partnern erforderten gegenseitiges Verständnis. Durch offene Gespräche, Feedbackrunden und gemeinsames Lernen entstanden jedoch Brücken, die kulturelle Unterschiede überwindbar machten. Diese Erfahrungen schärften das Bewusstsein für interkulturelle Zusammenarbeit und die Bedeutung flexibler, respektvoller Koordination. Für die Projektbeteiligten veränderte Peace Lab Ethiopia den Blick auf Frieden und Zusammenarbeit grundlegend. Besonders prägend war die solidarische Energie und Zielfokussiertheit der Schülerinnen, deren Engagement weit über den Workshop hinauswirkte. Frieden wurde dadurch erfahrbar – als ein lebendiger Prozess, der durch Kooperation und Vertrauen wächst.
Das Projekt hat gezeigt, wie stark kollektives Engagement wirkt, wenn Menschen eine gemeinsame Vision teilen. Peace Lab ist zu einer echten Gemeinschaft von Gestalterinnen und Gestaltern geworden – weit über den gemeinsamen Bildungsweg hinaus und verbunden mit der Hoffnung, dass es noch so viel mehr Frieden zu gestalten gibt.
Aufgenommene Stipendiat*innen
Zwölf neue Stipendiatinnen und Stipendiaten bereichern seit Januar 2026 unser Stiftungsnetzwerk. In dieser und der kommenden Newsletterausgabe stellen wir Ihnen die Studierenden vor. Herzlich willkommen!

Angelina Adu-Twum | International Human Resource Management (Master), Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen
„Im Personalwesen möchte ich aktiv zum gesunden Wachstum eines Unternehmens beitragen, welches meine Werte widerspiegelt. Um die Mitarbeiter bestmöglich zufriedenzustellen, ist ein Spagat zwischen den wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens und der Einbeziehung der Mitarbeiterbedürfnisse erforderlich.“

Rovena Aziri | Chemie (Master), RWTH Aachen
„Aktuell möchte ich nach dem Studium in der Endlagerforschung für die fachgerechte Lagerung von radioaktivem Abfall tätig zu sein. Damit würde ich mein Interesse an f-Elementen und mein Ziel, etwas Sinnhaftes zu tun, abdecken.“

Ferdaus Farid | Wirtschaftsingenieurwesen (Master), TU Dortmund
„Ich habe mich für das Studium des Wirtschaftsingenieurwesens entschieden, weil ich die Schnittstelle zwischen Technik und Wirtschaft als essenziell empfinde. Mich fasziniert besonders, wie beide Bereiche zusammenwirken und sich gegenseitig beeinflussen.“

Lise Guérin | Musik / Bratsche (Master), HfMDK Frankfurt am Main
„Mein Studium ermöglicht es mir, meine Beziehung zu meinem Instrument weiterzuentwickeln, um die Werke unseres Repertoires mit größtmöglicher Meisterschaft, Authentizität und Präzision zu interpretieren. Das motiviert mich, mich jeden Tag zu übertreffen.“

Jasmin Günes | Soziale Arbeit (Bachelor), Evangelische Hochschule Darmstadt
„In meinem zukünftigen Beruf möchte ich junge Menschen begleiten und ihnen ein Gefühl von Sicherheit geben. Dabei ist es mir besonders wichtig, dass jede Stimme zählt – ich bin jemand, der wirklich zuhört.“

Maja Hörger | Wirtschaftspsychologie (Bachelor), TU Augsburg
