Buchveröffentlichung: Wie ein Verlag die Volksbildung in Deutschland prägte
Was verbindet Freidenker, Bildung für alle und Frankfurt am Main? Die Geschichte des Neuen Frankfurter Verlags, dessen treibende Kraft Arthur und Marie Pfungst waren!
Die Geschichte des Neuen Frankfurter Verlags (NFV) ist ein weitgehend übersehenes Kapitel deutscher Verlags- und Kulturgeschichte. Umso wichtiger erscheint es, dieses Kapitel in seiner Tiefe und Vielschichtigkeit zu beleuchten. Der Neue Frankfurter Verlag war nicht nur ein Ort der Publikation freigeistiger Literatur, sondern auch Ausdruck eines emanzipatorischen Denkens, das auf Aufklärung, Bildung und Humanität setzte – und das zu einer Zeit, in der diese Werte zunehmend unter Druck gerieten.
Dieses Buch versteht sich als Würdigung und wissenschaftliche Aufarbeitung eines verlegerischen Projekts, das in seiner ethischen, politischen und intellektuellen Ausrichtung einzigartig war. Im Zentrum stehen dabei die Personen, Ideen und Institutionen, die den Verlag geprägt haben – allen voran Dr. Arthur Pfungst, dessen visionäres Streben nach Bildungsgerechtigkeit heute aktueller denn je ist.
Passend zur Frankfurter Buchmesse 2025 ist im Oktober das Buch „Von der Freidenkerei zur Volksbildung. Der Neue Frankfurter Verlag und seine Geschichte“ von Horst Groschopp im Alibri Verlag erschienen. Der Kulturwissenschaftler Horst Groschopp nimmt uns mit auf eine spannende Reise durch die Kultur- und Bildungsgeschichte. Das Buch zeigt, wie aus einer freidenkerischen Idee eine Bewegung wurde, die die Volksbildung in Deutschland entscheidend beeinflusst und geprägt hat.

Das Buch kann über den Verlag (www.alibri.de), den Buchhandel und die Dr. Arthur Pfungst-Stiftung (arthur@pfungst-stiftung.de) bezogen werden.
Horst Groschopp, Von der Freidenkerei zur Volksbildung. Der Neue Frankfurter Verlag und seine Geschichte. Schriften der Dr. Arthur Pfungst-Stiftung, Frankfurt a.M., Band 1, Aschaffenburg 2025.
284 Seiten | Abb. | kartoniert | Euro 34.- |
ISBN 978-3-86569-445-4
Tagung zur Familie Pfungst: Lebenswerk, Familiengeschichte und wissenschaftliche Perspektiven
Am 18. und 19. September 2025 hat die Dr. Arthur Pfungst-Stiftung zu einer zweitägigen Tagung „Unternehmer – Visionäre – Mäzene“ nach Frankfurt am Main eingeladen. Die Veranstaltung widmete sich dem Leben und Wirken von Arthur und Marie Pfungst und würdigte ihren Beitrag zu Humanismus, Ethik, Bildung und gesellschaftlichem Engagement. Ein Rückblick.

Die Tagung wurde mit einer Festveranstaltung und einem Grußwort von Dr. Christian Gans, Vorstand der Dr. Arthur Pfungst-Stiftung eröffnet. Im anschließenden Festvortrag sprach Prof. Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt, über die Stiftungstradition im Kontext des „jüdischen Frankfurts“ und stellte u.a. die ethischen Leitmotive Arthur Pfungsts in den Mittelpunkt.
Weiterer Höhepunkt des Abends war die Premiere des Dokumentarfilms „Maries Vermächtnis“ von Dr. Ina Knobloch, der das Wirken von Marie Pfungst und ihr kulturelles und soziales Engagement beleuchtete. Abgerundet wurde der Abend durch einen Empfang und Musikstücke von Stipendiatin und Violinstudentin Rebekka Siimer an der HfMDK und ihrer Begleitung Axel Rhomer.


Der zweite Veranstaltungstag war als wissenschaftliche Tagung konzipiert. Nach der Begrüßung durch Maximilian Graeve, Geschäftsführer der Stiftung, widmete sich der Vormittag dem Thema „Arthur Pfungst: sein Werk und seine Zeit“. Unter der Moderation von Kulturwissenschaftler Dr. Horst Groschopp beleuchteten Fachvorträge von Dr. Thomas Heinrichs, Olaf Schlunke, Beate Tröger und Dr. Elija Horn die intellektuellen und kulturellen Netzwerke Pfungsts: von seinen Bezügen zu Ernst Haeckel über die internationale ethische Bewegung bis hin zu seinen dichterischen Arbeiten und seiner Rezeption indischer Philosophie. Am Nachmittag lag der Fokus auf Marie Pfungst und den Kontexten ihres Wirkens. Unter der Moderation von Dr. Ina Knobloch, Filmproduzentin und Alumna der Stiftung, wurden zentrale Aspekte ihres Engagements beleuchtet. Dr. Dorothee Linnemann stellte Marie Pfungsts Wirken innerhalb der Frankfurter Frauenbewegung vor. Prof. Dr. Bernd Käpplinger referierte über Franz Angermanns Leben für die Erwachsenenbildung zwischen der Pfungst-Stiftung und dem KZ Sachsenburg. Abschließend sprach Prof. Dr. Ralf Banken über die Geschichte der Naxos-Union von 1933 bis 1991.


Die Tagung rückte die vielfältigen Facetten des Wirkens der Geschwister Pfungst in Frankfurt ins Zentrum und machte deren Bedeutung für Bildung, Kultur und gesellschaftliches Engagement bis in die Gegenwart sichtbar. Die Veranstaltung bot sowohl einen wissenschaftlichen als auch einen feierlichen Rahmen, um das Vermächtnis der Familie Pfungst in seiner historischen Tiefe und aktuellen Relevanz zu würdigen.
„Maries Vermächtnis“: Ein Film über eine außergewöhnliche und mutige Frau
Sie war Unternehmerin, Stifterin, Verlegerin und eine starke Stimme der Frankfurter Frauenbewegung: Marie Eleonore Pfungst. Im Film „Maries Vermächtnis“ erzählt Regisseurin und Alumna Dr. Ina Knobloch ihre bewegende Geschichte. Die Highlights in 2025.

»Wenn Dein Herz den Hass der Menschen spürt, dann beschäme sie durch Güte.«
Marie Pfungst
Dreharbeiten
Die Reise für die Dreharbeiten führte Ina Knobloch und ihr Team von der Naxos-Halle, dem Sitz der Stiftung im Frankfurter Ostend, dem Jüdischen Museum Frankfurt, dem Stolperstein bei ihrem Geburtshaus im Gärtnerweg, über das Marie Pfungst-Heim in Bad Homburg und den Bergfriedhof in Heidelberg nach Griechenland auf die Insel Naxos und zur Gedenkstätte Theresienstadt.
Hessische Dokumentarfilmtage & Premiere
Am 16. September 2025 feierte der Film „Maries Vermächtnis“ Vorpremiere im völlig ausverkauften Naxos-Kino in Frankfurt und eröffnete die Hessischen Dokumentarfilmtage 2025. Zwei Tage später fand die Premiere in der Dr. Arthur Pfungst-Stiftung im Rahmen der Tagung „Unternehmer – Visionäre – Mäzene. Das Wirken der Frankfurter Bürger Arthur und Marie Pfungst“ statt.
Frankfurter Buchmesse und hr-Fernsehen
Der Film stieß auf großes Interesses und wurde im Rahmen der Frankfurter Buchmesse im Massif Central mit anschließendem Filmgespräch gezeigt sowie im hr-Fernsehen am 09. November 2025 ausgestrahlt.
Der Film
D 2025, 30 Min.
„Maries Vermächtnis“ erzählt die Geschichte der Stifterin Marie Eleonore Pfungst (1862-1943) im Kontext ihrer Familiengeschichte und des rasanten Aufstiegs einer jüdischen, säkularisierten Familie, die sich, wie kaum eine andere deutsche Unternehmerfamilie, für das Gemeinwohl engagierte. Ihr Vater Julius Pfungst war Gründer der „Naxos-Union Schleifmittel- und Schleifmaschinenfabrik“ an der Wittelsbacher Allee in Frankfurt am Main. Nach dem Tod ihres Bruders übernahm Marie 1912 die Leitung des Familienbetriebs und gründete 1918 zusammen mit ihrer Mutter Rosette die nach dem Bruder benannte „Dr. Arthur Pfungst-Stiftung“, die sie bis zur Machtübernahme und Entrechtung durch die Nationalsozialisten leitete. Am 15. September 1942 wurde Marie mit fast 80 Jahren nach Theresienstadt deportiert. Bis heute fördert die Stiftung ganz im Sinne der Stifterin Marie Pfungst Bildung und Teilhabe.
„Maries Vermächtnis“ ist noch bis zum 11. Mai 2025 in der ARD Mediathek zu sehen: www.ardmediathek.de

Workshop „Storytelling“: Mit Erzählung überzeugen!
Geschichten begegnen uns fast überall. Doch was macht eine gute Geschichte aus? Wie lassen sich Botschaften durch Erzählen am besten vermitteln? Das lernten Stipendiaten der Stiftung beim Workshop mit Simon Wolf. Mit ihm haben wir über das Storytelling gesprochen und erfahren, wo und wie diese Methode der Kommunikation wirksam genutzt werden kann.

Herr Wolf, warum ist Storytelling eine so wirksame Methode, Informationen anschaulich und nachhaltig zu vermitteln?
Wir denken in Bildern, in Figuren und in Geschichten: Sei es ein spannendes Gespräch, der letzte Urlaub oder die Situation, in der uns schlagartig eine neue Erkenntnis gekommen ist. Weil wir vielfach in Geschichten denken, ist auch die Kommunikation über gute Stories so wirksam. Ein zweiter wichtiger Faktor sind die Emotionen: Menschen hören, wie es der Hirnforscher Manfred Spitzer einmal gesagt hat, nichts lieber als Geschichten über andere Menschen. Und das hat einen praktischen Grund: In einer gut erzählten Geschichte entwickelt sich eine Dynamik zwischen den Personen, die den Kern der Geschichte ausmachen. Hier entstehen Emotionen, und zwar sowohl beim Erzählen der Geschichte als auch beim Zuhören. Die Emotionen beim Erzählen versetzen uns in die Lage, noch lebendiger zu schildern. Und die Emotionen, die bei den Zuhörenden entstehen, sorgen dafür, dass die „Moral von der Geschichte’“ sehr anschaulich wird und auf verschiedenen Ebenen verarbeitet werden kann. Dadurch bleibt sie nachhaltig in Erinnerung.
Was macht gutes Storytelling aus?
Das wichtigste Element einer guten Story ist ihre Grundstruktur. Es lohnt sich sehr, diese Struktur sorgfältig auszuarbeiten und, wenn nötig, auch in mehreren Schritten zu optimieren. Der Kern einer guten Story ist immer ein Problem – es gilt das Prinzip „keine Story ohne Problem“. Diese Herausforderung entwickelt sich, manchmal auch ganz überraschend, aus einer alltäglichen Situation. Gegen Ende der Story ist das Problem gelöst, und die beteiligten Personen finden sich in einer neuen Situation wieder. In manchen Stories fassen die Beteiligten zum Schluss noch mal ausdrücklich zusammen, was sie entdeckt oder gelernt haben.
Welche Techniken sind besonders wichtig, um Geschichten überzeugend zu erzählen?
Damit die Geschichte lebendig wird und das jeweilige Publikum mitnimmt, müssen auch die Personen sehr echt und glaubwürdig sein, die in der Geschichte auftreten. Deswegen ist es für die Ausarbeitung der Geschichte sinnvoll zu überlegen, wie die einzelnen Personen geschildert werden können. Häufig reichen dafür einige wenige Sätze. Wenn ich zum Beispiel sage „Ich hatte in der Schule so eine richtig typische Mathelehrerin…“, dann sind mit einem kurzen Satz schon viele Assoziationen geweckt. Natürlich ist damit auch das Risiko verbunden, dass wir zu einem stereotypisierenden Denken anregen oder uns selbst in diesen Stereotypen verfangen. Beides darf nicht passieren. Aber die Erzähl-Forschung hat herausgearbeitet, dass in guten und erfolgreichen Geschichten immer wieder eine Gruppe ähnlicher Grundfiguren (Archetypen) auftauchen. Und wenn es beispielsweise um eine weise Großmutter oder einen echten Freund geht, dann nutzen wir lebhafte positive Bilder, durch die eine Geschichte sehr authentisch wird.
»Der Kern einer guten Story ist immer ein Problem […].«
Simon Wolf | Coach, Trainer und Berater für Kommunikation
Haben Sie ein Beispiel, wo eine Story nachhaltig gewirkt hat?
Barack Obama war und ist ein Meister des Storytellings. Als er während seiner Präsidentschaft Zustimmung für die verpflichtende Krankenversicherung gewinnen wollte, kam er in eine schwierige Situation: Die oppositionelle republikanische Partei hatte mit „Obamacare“ einen eigenen Kampfbegriff erfunden, um die Versicherung zu verhindern. Auch generell gab es in den USA keine Tradition, aus der heraus die verpflichtende Krankenversicherung leicht umzusetzen gewesen wäre. Bei einem Wahlkampfauftritt in Ohio hat Obama dann die Geschichte der Krebsüberlebenden und Leukämie-Patientin Natoma Canfield erzählt. Er hat mit wenigen Sätzen von ihren Erfahrungen und ihren Schwierigkeiten berichtet. Und von einem Moment auf den anderen hat er einen ganzen Saal von der Krankenversicherung überzeugt, er hat sein Publikum mitgerissen für ein komplexes und umstrittenes Thema.
Wie kann Storytelling im Studium zum Einsatz kommen?
Im Studium geht es immer wieder darum, Wissen zu erarbeiten, zu verarbeiten oder anzuwenden. Bei allen diesen Schritten helfen anschauliche Beispiele, und diese können auch in Form einer guten Geschichte erzählt werden. So ist es durchaus schon gut und wirksam, in einem Referat ein praktisches Beispiel zu nennen. Deutlich nachhaltiger wirkt dieses Beispiel aber, wenn es wirklich als eine kurze Story vorgetragen wird. Dafür reichen schon kleine Veränderungen, zum Beispiel der einleitende Satz „Stellt Euch vor, dass…!“ Mit guter Grundstruktur, passender Personenschilderung und einem klaren erzählerischen Ziel entsteht in wenigen Sätzen eine anschauliche Story. Wenn das Publikum dabei auch mal zum Schmunzeln, Nach- oder Weiterdenken kommt, dann bleiben die Inhalte deutlich besser im Gedächtnis. Diese Wirkung ist zum Beispiel auch aus dem Jurastudium bekannt. Dort wird sogar empfohlen, sich die abstrakte Materie anhand konkreter Beispiele zu merken.
Wie kann Storytelling in der Arbeitswelt unterstützen?
Gerade in der Arbeitswelt finden sich gute Geschichten an sehr vielen Stellen – aber erst auf den zweiten Blick. Eine große Hürde für Stories im Berufsleben besteht erstmal darin, dass Geschichten als unangemessen oder gar unprofessionell empfunden werden können. Und doch wird das Unternehmensprofil häufig anhand konkreter Beispiele erzählt, der Unternehmenszweck wird in Bildern ausgedrückt, und nicht zuletzt wird die Unternehmensgeschichte in ganz bewusster Weise präsentiert. Auch darüber hinaus ist das Storytelling in der Arbeitswelt wertvoll und wirksam: Zum Beispiel bei Gesundheitstipps, Sicherheitsschulungen oder in der Sensibilisierung für ressourcenschonendes Arbeiten. Ein wichtiger Tipp für das Storytelling im Beruf bezieht sich daher darauf, wie die Story eingeführt wird. Großen Widerstand würde eine Einleitung erzeugen, die mit den Worten „Ich möchte Ihnen mal eine Geschichte erzählen…“ beginnt. Wesentlich leichter gelingt es wiederum mit der Formel „Stellen Sie sich vor…“.
Workshop „Wer Ziele hat, kommt an!“ Die eigene Persönlichkeit nutzen
Wie lassen sich Ziele finden, die wirklich zu einem passen? Genau damit beschäftigten sich unsere Stipendiat*innen im Workshop mit Anke Fehring. Mit Hilfe eines Persönlichkeitsmodells entdeckten sie, ihren „inneren Kompass“. Ein Rückblick.

Wie lassen sich gute Entscheidungen treffen, die zum eigenen Persönlichkeitstyp passen? Um sich authentische Ziele setzen zu können, ist das bewusste Wahrnehmen der eigenen Wünsche und Bedürfnisse entscheidend, wie Anke Fehring im Workshop „Wer Ziele hat, kommt an“ den teilnehmenden Stipendiatinnen und Stipendiaten erklärte. Für die konsequente Umsetzung seien dann vor allem die individuellen Stärken, Herausforderungen und Persönlichkeitsstrukturen von Bedeutung. All das findet sich im Persönlichkeitsmodell „Enneagramm“ wieder, dessen neun Persönlichkeitstypen die Stipendiaten im Workshop kennenlernten. Die neun Enneagramm-Typen sind: (1)Perfektionist, (2) Helfer, (3) Performer, (4) Individualist, (5) Forscher, (6) Skeptiker, (7) Enthusiast, (8) Herausforderer und (9) Vermittler.
»Wir sind gut darin, Ziele zu erreichen. Aber nicht unbedingt darin, den richtigen zu folgen.«
Anke Fehring | Coach und Autorin
Nachdem der eigene Persönlichkeitstyp ermittelt wurde, entdeckten die Stipendiaten, welche Potenziale, aber auch Herausforderungen der eigene Typ mit sich bringt. Sie setzten sich intensiv mit ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen auseinander und entwickelten daraus persönliche und authentische Ziele. Gemeinsam reflektierten sie, welche Entscheidungen mit der eigenen Persönlichkeit im Einklang stehen und welche Stärken ihnen bei der Umsetzung helfen. Dieses Wissen stärkt den „inneren Kompass“ und unterstützt dabei, selbstbewusst Entscheidungen für Studium, Beruf und das eigene Leben zu treffen. Im Anschluss an diesen Workshop haben die Teilnehmenden noch die Möglichkeit eines persönlichen Coachings mit Anke Fehring zur weiteren Entwicklung ihrer Persönlichkeit.



